wendebahnhof

Wir haben ja ergänzend zu den Ausstellungen ein umfangreiches Begleitprogramm versprochen, das langsam konkrete Formen annimmt, so dass sich ein kurzer Ausblick schon mal lohnt.

Zu den spektakuläreren Aktionen im Rahmen von “Ohne Uns!” gehört der “wendebahnhof”, eine Videoprojektion mit Lichtgrafik und Klang an die innenstadtseitige Außenwand des Dresdner Hauptbahnhofs am Abend des 7. Oktober 2009 – es wäre der 60. Geburtstag der DDR gewesen. Detlef Schweiger, Andrea Hilger und ARTISAR werden am unmittelbaren Ort des Geschehens eine Collage aus Film- und Tondokumenten der Stasi von den Unruhen zeigen, die die Durchfahrt der Züge aus der Prager Botschaft der Bundesrepublik Anfang Oktober ’89 begleiteten und zusammen mit den anschwellenden Demonstrationen der folgenden Tage eine erste merkliche Erschütterung des SED-Regimes bedeuteten. Es wird weitere Vorführungen von Filmen mit dokumentarischem Material aus der DDR-Zeit in Motorenhalle und Scheune geben – hier müssen im Moment noch einige organisatorische Elefanten aus dem Raum geschafft werden, mehr dazu vielleicht schon in der kommenden Woche.

Als akademisches Resümee und krönender Abschluß des Projektes ist für Mitte Januar 2010 die dreitägige Tagung “8060/ 7050/ 9040” im Hygienemuseum – in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung, der TU Dresden und der Stiftung “Deutsches Hygienemuseum” – vorgesehen. Die Tagung wird das Gebiet der Betrachtung alternativer Kultur in der DDR auf die anderen ehemaligen Bezirksstädte Sachsens erweitern. Der kryptische Titel steht für die Postleitzahlen der Gründerzeitviertel von Dresden, Chemnitz und Leipzig, in denen jeweils Anfang der 70er Jahre städtische Subkulturen begannen zu florieren. Etliche Wissenschaftler sowie Künstler und Zeitzeugen der Epoche haben bereits als Referenten zugesagt, konkretere Informationen werden im Laufe des Herbstes folgen.