Do 3.12. | 20 Uhr | Prager Spitze

Susanne Altmann im Gespräch mit Angela Hampel, Sigrun Hellmich und Heidemarie Dreßel (sezession’89)

Mit Angela Hampel, Sigrun Hellmich und Heidemarie Dreßel treffen drei Mitbegründerinnen der “Dresdner Sezession ‘89″ aufeinander. Als loser Gesprächs- und Aktionskreis in den späten 80er Jahren entstanden, bündelte die Sezession die Interessen von Künstlerinnen, die sich im männlich dominierten sowohl offiziellen wie auch inoffiziellen Kunstbereich ungenügend repräsentiert fanden. Mit der spektakulären Installation “INNEN AUSSEN” im März 1987 in der Dresdner Galerie Mitte gaben die späteren “Mütter der Sezession” ihren vieldiskutierten Einstand. Die Ablehnung vonseiten vieler Kollegen trug dazu bei, dass Absicht und Ziele einer künftigen Künstlerinnenvereinigung noch eindeutiger formuliert wurden. Das Werk von Angela Hampel steht dabei exemplarisch und schon seit Beginn der 80er Jahre für die programmatische Suche nach einer radikal weiblichen Bildsprache, die durch Elemente aus Punk- und anderen Subkulturen noch verschärft wurde. Im Gespräch mit der Kunsthistorikerin Susanne Altmann wird auch zur Sprache kommen, wie entscheidend das Erscheinen von Christa Wolfs Essay “Kassandra” (1983) die bildnerische Selbstfindung von Frauen bestimmt hat.

Bereits um 19 Uhr bietet Susanne Altmann eine zusätzliche Führung durch den von ihr kuratierten Ausstellungsteil über weibliche Subversion in der späten DDR-Kunst an.


Heute in der Berliner Zeitung: Das Panorama der Renitenten – eine Ausstellungsrezension von Ingeborg Ruthe


Weiterhin überwältigend ist das hohe Interesse an unseren Filmabenden. Gestern abend haben sich wesentlich mehr Menschen auf den Weg gemacht und dabei fiesem Dauerregen getrotzt, als in den Scheune-Saal zu packen waren – dokumentiert in der Diskussion beim Neustadt-Ticker. Ein weiterer Termin ist im Gespräch – wir müssen es wegen des komplexen Abstimmungsprozesses mit einem Vorbehalt versehen – und wird im Erfolgsfall natürlich hier bekanntgegeben. Auf jeden Fall gibt’s noch zwei weitere Gelegenheiten, uns mit einem Publikumsansturm auf die Scheune zu überraschen: bei Ula Stöckls Wendefilm “Das Alte Lied” (8.12.) und einem Konzertabend mit Lothar Fiedler und weiteren Neustädter Filmsequenzen (7.1.).

Hingehen,…

…empfiehlt Gregor Kunz, Autor, Dichter und Mitbegründer der BRN, nach Besichtigung von drei Ausstellungsteilen in der Wochenendausgabe der Sächsischen Zeitung (kompletter Text hier, leider nur für SZ-Abonnenten):

Ohne uns – das klingt nach konsequenter Verweigerung, entschlossener Abkehr, heroischem Widerstand. Was den Künstler aber auszeichnet, ist die Relevanz seiner Arbeit, nicht sein schöner Charakter. Es gab in den Kunstszenen jener Jahre lebhaftes Interesse am Projekt Sozialismus und komplettes Desinteresse, Abwehr und Taktieren, glückliches Partisanentum und unglücklichen Opportunismus – und das oft genug in einer einzigen Biografie. Frank Herrmann, damals wie heute aktiver Künstler, äußert in einem Interview, es wäre nicht um Opposition gegangen, sondern um Freiräume. Das trifft den Punkt. Künstler haben gemacht, was Künstler machen, wenn sie Künstler sind: Kunst, für und zur Not gegen die Gesellschaft. Was denn sonst?

Im Anschluß beschreibt Kunz die Ausstellungsteile im Detail; besonders gefallen hat ihm die stärkere thematische Konzentration in der Motorenhalle. In der Prager Spitze kritisiert er eine gewisse Überladenheit und räumliche Enge, konzediert aber die “redliche Informationsarbeit” und die Darstellung “gebündelter Zeitgeschichte”.

Und nochmal “Ohne Uns” im ND…

…in dieser lesenswerten Besprechung von Sebastian Hennig, die sich wohlwollend mit dem Konzept der Ausstellung und eher kritisch mit den Exponaten und ihrer Haltbarkeit auseinandersetzt – Hennig ist sicher nicht der größte Freund eher postmoderner Ausdrucksformen – und am Ende zu einem Abstecher ins Grundsätzliche aufbricht:

Heute trägt diese Generation zum Teil selbst Verantwortung, und die nachwachsenden Nonkonformisten haben eine Sprachlosigkeit, für die noch kein Wörterbuch verlegt ist. Die Zukunft wird zeigen, ob öffentliche und inoffizielle Kultur noch ebenso fast organisch auseinander hervortreiben können. Der Kunstfeind Nummer Eins ist immer der Banause. Und politische Verhältnisse können ihn zum Entscheidungsträger werden lassen, jederzeit.

In der Prager Spitze vorbeigeschaut hat auch Michael Bittner von der Dresdner Lesebühne saxroyal und in seinem Blog ein paar Gedanken dazu aufgeschrieben:

Indem die Ausstellung löblicherweise nicht mit dem Mauerfall endet (und auch osteuropäische Künstler zum Vergleich heranzieht), kann sie sichtbar machen, dass Unangepasste in jedem politischen System versuchen, gegen den Zwang der Gewöhnlichkeit anzugehen. Zugleich zeigt sich, dass die künstlerischen Themen sich durch den Systemwechsel weniger stark verändert haben als man vermuten könnte: Kritik an Bürokratie und Leistungswahn, Umweltverbrauch und öffentlicher Überwachung scheinen nach wie vor aktuell. Wer in der Opposition der DDR vom besseren Sozialismus träumte, für den bedeutete der real existierende Kapitalismus ein eher böses Erwachen.


Der Saxophonist Michel Doneda improvisiert im Zellentrakt des ehemaligen Untersuchungsgefängnis der Stasi (Gedenkstätte Bautzner Straße, aufgenommen am 24. Oktober 2009)


Für das Dresdner Stadtmagazin SAX (11/2009, S.30) hat Bernhard Theilmann unsere Ausstellungen gesehen. Der Text enthält allerlei Für und Wider, ist aber, wie bei Publikationen aus Dresden üblich, nicht online. Daher beschränken wir uns auf die Wiedergabe des freundlichen Fazits:

Die Ausstellungen, exzellent aufgebaut, sind nicht nur Dokument, was es im Osten gab; sie breiten auch, wie mit legerer Handbewegung ausgebreitet, ein klein bißchen von dem aus, was es an Klasse in dem kleinen Land hinter der Mauer gab.


‚Bruch-Zonen. Das Prinzip Osten’ präsentiert:
Di 3.11 | 20 Uhr | Konzertkeller des riesa efau
Lesung: Milena Oda – “Der Neinsager”

Nach ´89 war im “Ostblock” wirklich keiner frei, weder in Kopf noch im Herzen. — Der Held der Erzählung “Der Neinsager” verbrachte unschuldig 17 Jahre im Gefängnis. Seine ganze Persönlichkeit wurde auf eine Nummer reduziert, durch die unmenschlichen Verhöre und Lügen verneint. Der Neinsager versucht emotional von seiner verlorenen Vergangenheit Abstand zu nehmen. Kann er das schaffen? Und wie, wenn er die Sprache spricht, die die Verlogenen mit ihm gesprochen haben und die er immer noch hören muss?

milenaoda
Milena Oda, geboren in Jicín (CZ), gehört zu einer jungen tschechischen Literaturszene, die sich immer wieder durch ästhetische Überraschung und Innovation auszeichnet, sich dabei aber stets auch gesellschaftspolitisch einmischt und positioniert. Sie schreibt Prosa, Theaterstücke und Essays, zudem ist sie als Übersetzerin tätig. 2007 war sie nach Klagenfurt zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen, ihr Prosatext ‚Piquadrat’ erschien als bibliophiles Kunstbuch (in Zusammenarbeit mit Andreas Hegewald) beim Verlag Buchenpresse Dresden. Das besondere bei ihr: sie ist eine tschechische deutschsprachige Schriftstellerin, die in Berlin lebt; ihr Schreiben ist von zwei Sprachen und Ländern geprägt.

Ich bewege mich in Mitteleuropa. Da ich ein Auto habe, bin ich schnell da und schnell wieder zurück. Ich habe keine Grenzen mehr im Kopf. Die gab es vielleicht noch vor zehn Jahren, aber die wurden abgeschafft schon bevor die EU da war. Die Bewegung ist für mich ganz natürlich.


Mi 4.11. | 20 Uhr | Prager Spitze | Vortrag

Bildende Kunst und Gegenkultur in Dresden Part II (1971-1990)

Der zweite Vortrag von Paul Kaiser behandelt die facettenreiche Kunstszene in Dresden und thematisiert Künstlergruppen („Lücke“ bis „Gruppe Meyer“), inoffizielle Privatgalerien („Kellergalerie“ bis „fotogen“) sowie wichtige Aktionen („Intermedia I“ bis „Frühlingssalons“).


Sa 7.11. | 16 Uhr | Motorenhalle

Kunstgespräch mit Gwendolin Kremer

Über die Bedeutung der Farbe in frühen Gemälden von Cornelia Schleime, Ralf Kerbach, Reinhard Sandner und Wolfram Adalbert Scheffler.

Künstliche, grellbunte Farbigkeit: die ersten Gemälde des Chemnitzer Malers W.A. Scheffler Anfang der 1980er Jahre wollten Affront und Provokation zugleich sein. Die von Schleime, Kerbach und Sandner verwendete Farbpalette aus dieser Zeit könnte in ihrer Materialität hingegen als ›arte povera‹ durchgehen: Bildträger aus Leinwand, Rupfen und Fließ sowie die verwendeten Malmittel – wie Tusche und Sand bei Schleime – zeugen von den Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Künstlermaterialien in realsozialistischen wie später in kapitalistisch geprägten Verhältnissen. (Text: Gwendolin Kremer)


Sa 7.11. | 20 Uhr | Prager Spitze

Puppenspiele ohne Puppen | Shisa und Lato – Kora Kara

Das Stück “Shisa und Lato” erzählt die märchenhafte Geschichte von der schönen Shisa, dem Helden Lato und dem bösen Krähquepp. “Kora Kara” führt uns auf der Suche nach einer mysteriösen Dame durch die blühende Heimatlandschaft, wo wir den Startschuss in die große Knusperlust hören.

Richaâârd (Richard Mansfeld) agiert gestisch und mimisch vor seinem Publikum. Sabine Grüner begleitet am Cello.

Das ND und die Extreme

Im “Neuen Deutschland” vom Montag beklagt Harald Kretzschmar, dass “konfrontationswütige Bewohner” und “garstiges Gezeter” Dresdner Diskurse in der Kunstszene und anderswo dominieren – holt dann aber selbst zum Rundumschlag aus, von dem auch wir nicht verschont bleiben:

Gar kein Zweifel, erlaubt ist, dass gezeigt und gerühmt werden soll, was aller Ehren wert ist – Widerstand und Verweigerung integrer Einzelkünstler gegen totalitäre Vereinnahmung. Aber kann es das einzig Gültigbleibende sein? Nach dem Motto, wer nicht zum Staatsfeind erklärt und außer Landes gejagt wurde, ist kein wahrer Künstler? Schreibt man so Kunstgeschichte? »Kunst und alternative Kultur vor und nach 89« nennt sich das diffus.

Da wird auf Teufel komm raus ausgegrenzt, was das Zeug hält. Da hat nie einer auf der Großkundgebung im November 89 den Redekommentar zu seinen längst wirksamen Bildern geliefert. Wer außerhalb des inneren Zirkels Auserwählter sich kontrovers verhielt, zählt nicht mehr. Wer keine einschlägige Aktenlage nachweist, ist out. In Wahrheit lautet die Devise dieser Ausstellung »OHNE EUCH!« Souverän erkundetes breites Spektrum künstlerischer Leistungen? Fehlanzeige.

Der Kurator und riesa efau-Geschäftsführer Frank Eckhardt hat auf diesen Artikel in einem Leserbrief geantwortet, den wir hier in voller Länge abdrucken:

Auf dem journalistischen Hund geblieben oder erst darauf gekommen?

Mit Freude lese ich, dass die Ausstellung OHNE UNS! auch dem ND einige Zeilen wert ist. Nach der alten Journalistenweisheit sind bad news ja good news. Soll ich mich nun also darüber freuen, dass die Leser/innen überhaupt von der Existenz der Ausstellung erfahren oder darüber ärgern, dass auch hier und jetzt noch Leser/innen des ND regelrecht falsch informiert werden? Gerade im thematischen Kontext dieser Ausstellung ruft dieser letztere Punkt bei mir ein eigenartiges, aber im Rückblick nicht ganz unvertrautes Gefühl hervor.
Dass der Autor es offenbar nicht einmal für nötig befunden hat, auch nur einen der Ausstellungsorte persönlich aufzusuchen, spricht nicht gerade für ein qualitätvolles Feuilleton. Vielleicht sollte man künftig den Ausstellungsbesuch zur Schreib-Bedingung machen?

Hier also einige Fakten. Weiterlesen

Nach der Eröffnung

Das Projekt ist unterwegs, die beiden zentralen Teilausstellungen in Motorenhalle und Prager Spitze sind ab sofort jeden Tag von 14 Uhr an geöffnet.

Kleine Presseschau:
Bereits am Donnerstag haben die Dresdner Neuesten Nachrichten ausführlich auf das Projekt hingewiesen, mit einem recht langen Text von Tomas Petzold (leider nicht online), der zu einem erfreulichen Fazit kommt:

“Gerade auch die Aussagen zum Umfeld wie der reich ausgestattete Katalog wollen in Ruhe erkundet sein. Aber die Qualität der Arbeiten, die bereits zu besichtigen waren, spricht wie die Seriösität der Präsentation eine klare Sprache. Zum Teil sind es geradezu Schlüsselwerke, und das unter den gegebenen Umständen nicht hoch genug zu würdigende Engagement der Leihgeber macht so das Anliegen erst recht glaubhaft. Hier geht es in erster Linie um die Kunst und nicht um eine Inszenierung. Hier geht es nicht um Teilen und Herrschen, sondern wirklich einmal um das Zusammenführen dessen, was zusammen gehört”

“art – Das Kunstmagazin” hat uns zum “Tipp der Woche” ausgerufen. Zwei Dresdner Blogger waren am Mittwoch in der Stasi-Gedenkstätte zu Gast – dem Dresdner Rand hat’s gefallen, der Neustadt-Ticker war etwas irritiert von den Begleitumständen der Eröffnung.