DT64 bei “Ohne Uns!”

Do 12.11. | 20 Uhr | Prager Spitze | Gesprächsabend

Moritz von Rappard im Gespräch mit Lutz Schramm und Wolfgang Zimmermann zu unabhängiger Musik und dem Jugendradio DT64

„99 Stunden flotte Berichte, Suchanzeigen und vor allem Beat“ – das war die Losung des Sonderstudios Deutschlandtreffen 1964, das aufgrund des immensen Erfolgs wenige Wochen später als Jugendstudio DT64 zum festen Bestandteil des Berliner Rundfunks wurde. Obwohl Erich Honecker bereits auf dem 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 scharfe Kritik übte, stand die Abschaltung des Programms zu DDR-Zeiten nie zur Diskussion.

Lutz Schramm moderierte auf dem ab 1986 eigenständigen Kanal bis 1991 (und von 1991-93 auf “Rockradio B”) Parocktikum – eine Sendung, die einem breiten Publikum die Musik der internationalen wie auch der regionalen Independentszene vorstellte. Als Vertreter des Staatsradios hatte er jedoch immer wieder damit zu kämpfen, dass es viele Künstler gab, die sich konsequent jedem Kompromiss mit der Staatsmacht verweigerten. Andere nutzten die kleine Lücke, um ihre Arbeit einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren.

Wolfgang Zimmermann organisierte von 1981 – 1985 im Clubhaus Coswig Veranstaltungen, die virtuos unterschiedlichste Künstler zusammenbrachten: Free-Jazz traf auf Literatur, Tanz, Film oder gar die Moritzburger Jagdhornbläser. Mit Veranstaltungen wie dem „JAZZ IN“ wurde Coswig zu einem Mekka der Jazz-Fans. Im Juni 1985 präsentierte Zimmermann die „Intermedia I“ und wurde daraufhin entlassen. In der Eröffnung des Disziplinarverfahrens hieß es: „Sie haben sich zum Organisator von Veranstaltungen gemacht, die den Prinzipien sozialistischer Kulturpolitik völlig entgegenstehen.“ Was folgte, war eine jahrelange und zutiefst zermürbende Konfrontation mit lokalen Verwaltungsstellen und der Staatssicherheit. Über unvorhersehbare Umwege wurde ihm schliesslich die Leitung der Dresdner Schauburg anvertraut, wo es ihm trotz enger Auflagen erneut gelang, ungewöhnliche Programme zusammenzustellen.

Moritz von Rappard ist in Berlin als Kurator tätig. Zur Zeit präsentiert er im Berliner Zeughauskino eine vierzehnteilige Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Radio Geschichte: DT64“.

Im Rahmen von „Ohne uns“ sprechen Lutz Schramm und Wolfgang Zimmermann mit Moderator Moritz von Rappard darüber, was damals ging und was nicht ging – über Möglichkeiten und Grenzen kultureller Arbeit in der DDR der 1980er Jahre. Lutz Schramm hat außerdem für uns im Archiv gekramt und wird Ausschnitte einer DT64-Sendung von 1988 über ein alternatives Musikfestival präsentieren.

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