Dresden von unten

Mi 25.11. | 20 Uhr | Prager Spitze | Vortrag

Christoph Tannert – Die Funktionäre sind im Widerstand

45minütiger Vortrag mit Bild- und Tonunterstützung

Christoph Tannert, 1955 in Leipzig geboren, profilierter Kunstkritiker und Kurator, war als Begleiter und Chronist der unabhängigen Kunst der späten DDR ein zentraler Akteur der damaligen alternativen Szene. Er arbeitet derzeit als Geschäftsführer im Künstlerhaus Bethanien in Berlin.

Immer wieder brachen in der Kunst der DDR, sehr zum Ärger der Ideologen, skeptische Tendenzen auf.
Wie schon in den Optimismus verweigernden Bildern und Skulpturen von Jürgen Böttcher-Strawalde, A.R. Penck, Peter Herrmann, Peter Graf (seit Mitte der 50er Jahre) oder in den Eigenwilligkeiten von Eberhard Göschel, Hans Scheib, Reinhard Stangl, Helge Leiberg, Veit Hofmann, Ralf Kerbach, Conny Schleime, Wolfgang Smy, Lutz Fleischer, Petra Zerche (Kasten), Christine Schlegel, Hubertus Giebe, Eva Anderson, Michael Hengst, Andreas Hegewald, Jörg Sonntag u.a. in den 1970er und 80er Jahren deutlich wurde, interessierte der tiefrote Agitprop niemanden mehr. Mit diesen Künstlern, obwohl manche durchaus gelehrig und traditionsbewusst pinselten, war kein Staat zu machen. Aber das Gleichgewicht zwischen Ja- und Neinsagern hielt lange.
Die Patt-Situation zwischen Bremsern und Veränderern, das nervenaufreibende Hick-Hack um das Aufbrechen der Dogmen und der mal stärker werdende, dann wieder abflauende Selbstbehauptungswille der Künstlerinnen und Künstler in der DDR nach der Mitte der 1970er Jahre ist symptomatisch für das Wechselspiel zwischen Opposition und Kollaboration. Bis zum Ende der DDR stehen alle staatlichen Handlungen und der Versuch der Künstler, sich gegen die staatlichen Kontrollstrategien zu behaupten unter den gleichen Vorzeichen.
Zwar war unter den Ideologen der DDR immer vom lebendigen Sein und von der Welt in ihrer “Selbstbewegung” (Lenin) die Rede, aber dennoch blieb alles beim Statischen und im Rahmen von der seit Hegel dominierten Werkästhetik.
Das ideologische Ziel war, anti-sozialistisch gesehen, etwas, das auf keine Kuhhaut mehr ging, etwas Saublödes, für das sich die Hirnrinde zusehends zu schämen begann. Dennoch lief alles weiter wie bisher. Bis in Dresden die Autoperforationsartisten auftauchten…
(Text: C.Tannert)

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