Konzept

Das Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt „OHNE UNS!“ widmet sich anhand der Entwicklungen in Dresden erstmals und in umfassender Weise der widerständigen „anderen Kultur“ in der DDR.

Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf einer lebendigen Vergegenwärtigung der ostdeutschen alternativen Kultur als kultureller Voraussetzung für die Entstehung einer politischen Opposition in der DDR, ihrem Beitrag zur friedlichen Revolution im Herbst 1989 sowie der Befragung ihrer Themen auf deren heutige Wirkungsmacht. In Dresden bildeten sich in einer für die gesamte DDR exemplarischen Form autonome Rückzugs- und Aktionsformen einer Alternativkultur im staatssozialistischen Herrschaftsraum heraus, in deren Folge sich die Stadt zum Zentrum der staatsfernen Künste und alternativer Kultur entwickeln konnte.

Das Projekt konzentriert sich auf Akteure und Phänomene der bildenden Kunst. Aus diesem Blickwinkel werden auch die zahlreichen Interaktionen mit Künstler/innen anderer Genres thematisiert. Im Ausstellungsteil werden historische Objekte und Artefakte gezeigt und durch zeitgenössische künstlerische Arbeiten ergänzt und kontextualisiert. Neben wesentlichen Künstler/innen, deren Laufbahn in den alternativen Szenen begann, werden sich auch jüngere Künstler/innen beteiligen, deren Arbeiten Formen des gegenwärtigen Erinnerns und Tradierens dieser Phänomene thematisieren oder nach Kontinuitäten, Brüchen und Neuansätzen bei künstlerischen Rollenbestimmungen im Verhältnis zur Gesellschaft und ihren Institutionen fragen.

Folgende thematische Cluster wird es geben:

Secession
Gegengemeinschaften, Selbstorganisation, Spannungssysteme

Konstruktionen der Erinnerung
Retrospektiv-Reflexion, Dynamik der Eigengeschichten, Historisierungsmodelle / Erinnerungspolitik, Diskursmacht

„Tugendterror“
Staatliche und gesellschaftliche Normativität, Utopie und „reale Existenz“, Überwachung und Strafe, Reizschwellen / Spielräume / Grenzwertigkeit, Paradigmenbezug

Anti-Helden
Künstlerrolle und Mythenbilder, Positionierung im Kunstsystem, Radikalautonomie

Rhizom
Szenen, Milieus, Orte, Räume, Quartiere, Infrastrukturelles Geflecht/Netzwerk, Institutionalisierungseffekte

Protest!
Aktionale Positionen, Spannungsfelder: Kunst und „Öffentlichkeit“, Codierung des Öffentlichen Raumes, Wirkungen kultureller Gegenwehr

Interferenzen
Grenzüberschreitungen, Intermediale Projekte, Musik, Tanz, Aktion, Film, Performance, Literatur

Ausstellungsexkurs
“Hab ich Euch nicht blendend amüsiert? – Weibliche Subversionen in der späten DDR-Kunst“ von Susanne Altmann (Prager Spitze)

Die Ausstellung sowie deren vermittelndes und begleitendes Programm werden in der Motorenhalle, dem Lichthof des Rathauses, der Gedenkstätte Bautzner Strasse sowie im Gebäude Prager Spitze zu sehen sein. Ein Synergien und vertiefte Themensetzungen ermöglichendes Kooperationsprogramm mit weiteren Institutionen (u.a. Städtische Galerie, Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek, BStU, Kreuzgymnasium, Ev. Dreikönigskirche, Galerie Gebrüder Lehmann, Leonhardi-Museum) findet unter dem kommunikativen Dach des Gesamtprojektes statt.

Das Vorhaben wird durch einen Katalog begleitet, der – neben einer umfassenden Dokumentation der alternativen Kultur in Dresden – auch systematische, übergreifende und einordnende Essays und Aufsätze enthalten wird. Damit soll der Katalog nach dem Ende des Projekts noch als Kompendium widerständigen Verhaltens für breite Leserschichten nutzbar sein.