Hab ich Euch nicht blendend amüsiert?

Weibliche Subversionen in der späten DDR-Kunst

Ein thematischer Ausstellungsexkurs innerhalb des Projekts „OHNE UNS!“

Kuratorin: Susanne Altmann

Künstlerinnen: Tina Bara, Else Gabriel, Angela Hampel, Christine Schlegel, Cornelia Schleime, Gundula Schulze Eldowy, Yana Milev, Gabriele Stötzer (ehem. Kachold), Karla Woisnitza, Doris Ziegler und als Gast Janet Grau

Im Rahmen der Ausstellung in der Prager Spitze ist ein spezielles Modul des Projekts “Ohne Uns!” zu feministischen Tendenzen innerhalb der unangepassten Kunstszene der DDR zu sehen, das von der Kunsthistorikerin Susanne Altmann konzipiert wurde. Experimentalfilme, Installationen, Gemälde und Fotokunst verfolgen jene doppelte Drucksituation, der Künstlerinnen innerhalb einer männlich dominierten offiziellen wie auch nichtoffiziellen Kunst ausgesetzt waren. Zusätzlich wird Susanne Altmann am 15. Oktober und 3. Dezember Gesprächsabende mit Protagonistinnen der Ausstellung moderieren.

Doris Ziegler_IchbinDu_1983_84)
Bereits ab Mitte der 70er Jahre tauchten in der Malerei der DDR Frauenbilder als Träger eines gewissen Unbehagens und von Gesellschaftskritik auf, so genannte „Problembilder“ (Wolfgang Mattheuer, Nuria Quevedo, Horst Sakulowski). Bald begannen die jüngeren Künstlerinnen der Subkultur, sich mit ihrer weiblichen Identität zu beschäftigten. Sie brachen konforme Rollenbilder auf und radikalisierten ihre künstlerische Selbstbestimmung (Christine Schlegel, Gabriele Kachold, Karla Woisnitza). Dieser Aufbruch geschah nicht wie im Westen vor dem Hintergrund eines feministischen Diskurses, sondern vielmehr aus einem unbewussten Bedürfnis der Auflehnung heraus.
Gabriele Kachold_Verschmelzung_1983_ aus Frauen miteinander (Fotobuch)
Dennoch erweisen sich diese Filme, Fotos, Collagen und Bilder heute als ebenso progressiv und provokant wie Werke von Künstlerinnen aus den USA oder Westdeutschland. Bislang ist das Thema einer spezifisch weiblichen Ausdruckskraft in der DDR-Kunst noch nicht untersucht worden. Wie die beiden Ausstellungen „Und jetzt. Künstlerinnen der DDR“ (Berlin, ab November) und „Gender Check“ (Wien, ab September) will „Hab ich Euch nicht blendend amüsiert?“ eine lange fällige Aufarbeitung leisten. Mit fast unbekannten Filmen von u.a. Cornelia Schleime, Gabriele Kachold oder Yana Milev, mit Fotos und Bildern von Angela Hampel, Gundula Schulze Eldowy oder Tina Bara sind hier hochkarätige Überraschungen vorprogrammiert.

Text: Susanne Altmann
Fotos: Doris Ziegler “Ich bin Du” (1983/84), Gabriele Kachold “Verschmelzung” (1984)