Motorenhalle – Rundgang

Zusätzliche Information zu den Künstlern und den ausgestellten Arbeiten

Von Reinhard Stangl sind u.a. zwei Gemeinschaftsarbeiten ausgestellt: Mit A.R. Penck schuf er 1981 ein großformatiges Gemälde in West-Berlin, in dem zahlreiche Referenzen an den gemeinsamen Freundeskreis in Dresden und Ost-Berlin zu finden sind.
Stangl Penck, 1981, Abb. 7Das Gemeinschaftsbild »Scheib malt Stangl. Stangl malt Scheib« mit dem Bildhauer Hans Scheib entstand ebenfalls 1981 in den tschechischen Wäldern, wo sich die Künstlerfreunde nach Stangls Ausreise in den Westen zu Gesprächen und gemeinschaftlicher künstlerischer Arbeit trafen. In diesen Gemälden zeigt sich ein spezifisches Charakteristikum dieser Zeit, die enge Netzwerkstruktur manifestiert sich im Bild und setzt sich über willkürliche Grenzsetzungen hinweg.

Scheib, Kindheitstrauma I, Abb. 16

Kindheitstrauma I

Scheib, Kindheitstrauma II, Abb. 17 (2)

Kindheitstrauma II

Scheib, Kindheitstrauma III, Abb. 18

Kindheitstrauma III

Hans Scheib, der auch ein großes grafisches Œuvre geschaffen hat, ist mit einer Werkgruppe von drei Jungenfiguren zu dem Thema »Kindheitstrauma« (1986) sowie einer männlichen Ganzfigurplastik mit dem Titel »Der Animateur« (1987) – einer Replik auf den Schriftsteller und Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) Sascha Anderson, der den Freundeskreis bespitzelte und 1991 enttarnt wurde – vertreten.

Animateur

Animateur

Scheibs Holzplastiken werden in der An- und Abbautechnik aufgebaut und bereits in den späten 1970er Jahren entstanden erste farbige Fassungen seiner Holzplastiken.

Aus Ralf Kerbachs früher Werkphase sind drei Arbeiten in der Ausstellung vertreten: Der »Emigrant« (1984), das Triptychon »Das Birkenkreuz« (1984) und »Das Verhör« (1986). Alle drei Gemälde sind vor dem Kontext Ralf Kerbachs Ausreise 1982 nach West-Berlin zu lesen; die eigene Biografie wird in seinen gemalten Bildern evident. Der »Emigrant« ist die erste Arbeit einer Serie von Bildern mit diesem Titel, die exemplarisch für die malerische Auseinandersetzung Kerbachs mit der deutsch-deutschen Geschichte stehen kann.

Die frühe großformatige Tuschearbeit von Cornelia Schleime (1984) ist noch ganz dem Duktus ihrer Malerei zu DDR-Zeit verpflichtet:
schleime-tuschearbeit, o.T.
Hier führt sie fort, was sie in Dresden und Ost-Berlin begonnen hatte, wenn sich in ihren als offene Räume konstruierten Kompositionen mythische Figuren, Gesichter und abstrakte Formen in surreal anmutenden Weltenlandschaften begegnen. Die Materialität des Bildträgers aus Leinwand und Fließ sowie die verwendeten Malmittel, hier Tusche und Sand, zeugen von der real-sozialistischen und dann im Westen neu erfahrenen Mittellosigkeit bei der Beschaffung von Künstlermaterialien.

In ihren späteren Arbeiten, die ein Mädchen mit langem Zopf vor schwarzem Hintergrund (1996) und in dem Triptychon »Unsere Besten« (2002) drei Kinderporträts zeigen, lässt sich der Ausdruck der Kinderaugen in manchen Gesichtern der frühen Tuschearbeit wiederfinden.
Schleime, o.T., 1996, Abb. 15
Cornelia Schleime Tryptichon

Rundgang Teil II

Abb.:

Reinhard Stangl / A.R.Penck – Gemeinschaftsarbeit. 1981

Hans Scheib: Kindheitstrauma I. 1986, Holz, farbig, 125 x 155 x 75 cm, Privatsammlung
© Hans Scheib, Foto: Sebastian Schobbert

Hans Scheib: Kindheitstrauma II. 1986, Holz, farbig, 75 x 80 x 83 cm, Sammlung des Künstlers
© Hans Scheib, Foto: Sebastian Schobbert

Hans Scheib: Kindheitstrauma III. 1986, Holz, farbig, 55 x 112 x 85 cm, Sammlung des Künstlers
© Hans Scheib, Foto: Sebastian Schobbert

Hans Scheib: Animateur. 1986, Holz, farbig, ca. 180 x 30 x 40 cm mit Sockel, Sammlung des Künstlers
© Hans Scheib, Foto: Sebastian Schobbert

Cornelia Schleime: Ohne Titel. 1984, Tusche, Sand auf Leinwand, Fließ, 245 x 245 cm, Sammlung Leo Lippold
© courtesy Galerie Michael Schultz, Berlin, Foto: Andreas Seeliger

Cornelia Schleime: Unsere Besten. 2002, Triptychon, Acryl, Schellack, Asphaltlack auf Leinen, je 180 x 140 cm, Sammlung de Knecht, Salzburg
© courtesy Galerie Michael Schultz, Berlin