Januar 2010

Di 5.1. | 20 Uhr | Motorenhalle
Filmabend | Material (2008) | Thomas Heise

Der Regisseur Thomas Heise hat in seinem Dokumentarflm ‚Material’ Filmsequenzen zusammengestellt, die er nicht in seinen Filmen verwendet hat. Er mochte sie aber nicht wegwerfen, weil sie ihm zu wichtig blieben. Herausgekommen ist ein bewusst unvollständiger Ausschnitt der deutschen Geschichte in den letzten 20 Jahren – ein persönliches Bild von Thomas Heise.

Mi 6.1. | 20 Uhr | Motorenhalle
Filmabend | Volkspolizei – 1985 | Thomas Heise

In ‚Volkspolizei -1985’ haben Thomas Heise und sein Kameramann Peter Badel Volkspolizisten des Polizeireviers Brunnenstraße bei den Staatsakten am 1. und 8. Mai 1985 begleitet. Ohne eine Genehmigung gaben sich die beiden als Mitarbeiter der ‚Staatlichen Filmdokumentation der DDR’ aus. Als die Täuschung auffog, beschlagnahmten die staatlichen Stellen das gedrehte Material. Gegen die Bestechung mit einer Flasche Schnaps durfte Thomas Heise das Material im Filmarchiv heimlich kopieren.

Do 7.1. | 20 Uhr | Scheune | Alaunstraße 36|40
Musik-Film-Performance |

Kammermusikalisch durchgeführte Improvisationsmusik mit Einfüssen aus Jazz und neuer Musik mit
Heiner Reinhardt (Bassklarinette)
Peter Koch (Cello)
Hans-Jürgen Noak (Violine, electr.).
Dazu Filmsequenzen der 1980er und frühen 1990er Jahre u.a. mit Helge Leiberg und Fine Kwiatkowski, zusammengestellt von Lothar Fiedler.

Sa 9.1. | 16 Uhr | Motorenhalle
Kunstgespräch | Gwendolin Kremer, Co-Kuratorin

Die Maler Ralf Kerbach, Helge Leiberg, Cornelia Schleime, Reinhard Stangl, Reinhard Sandner und Lutz Fleischer im Kontext der nonkonformen Dresdner Malerei der späten 1970er und frühen 1980er Jahre.
Nach der Veranstaltung in der Motorenhalle besteht die Möglichkeit einer gemeinsamen Besichtigung des Ausstellungsteiles in der Prager Spitze.

Sa 9.1. | 18 Uhr | Motorenhalle
Werkstattgespräch mit Abendessen | Raster und Psyche | Claus Löser im Gespräch mit Yana Milev

Im Gespräch mit Claus Löser rekonstruiert die Konzept- und Videokünstlerin Yana Milev ihren Werdegang zwischen Leben, Kunst und Wissenschaft. Mit Via Lewandowsky drehte sie 1988 ihren ersten Super 8-Film ‚doublage fantastique’. Es folgten ‚Irreversibel’ (1989) und ‚Exodus: Auszug ins Gelobte Land’ (1992). Seit 1995 befasst sie sich mit der Urbanisierung von Räumen und Körpern. Der Titel ihrer 2008 bei Peter Sloterdijk vorgelegten Promotion lautet ‚Emergency Empire – Transformation des Ausnahmezustands’.

Sa 9.1. | 20.30 Uhr | Motorenhalle
Film-Preview | Behauptung des Raums – Unabhängige Ausstellungskultur in der DDR | Claus Löser

Die Leipziger Galerie Eigen+Art steht für zivilgesellschaftliche Courage im letzten DDR-Jahrzehnt. Junge Kreative schufen sich einen selbst bestimmten Raum des künstlerischen Austausches, der sich schnell zu einem der wichtigsten Zentren der Subkultur entwickelte. ‚Behauptung des Raums’ zeigt Videoaufzeichnungen von Vernissagen, Performances und Interviews der Galerie Eigen+Art. Daneben kommen beteiligte Künstler/innen und Persönlichkeiten zu Wort, wie Gerd Harry Lybke, Jörg Herold, Else Gabriel, Carsten Nicolai, Olaf Nicolai und Christoph Tannert.

Do 14.1. 17 Uhr bis Sa 16.1. 14 Uhr | Deutsches Hygiene-Museum | Marta Fraenkel-Saal
Tagung | 8060 / 7050 / 9040. Nonkonforme Kunst und alternative Kultur in Sachsen vor und nach 1989

Die Tagung thematisiert erstmals den formativen Beitrag der sächsischen Bezirksstädte für die Etablierung einer künstlerischen Gegenkultur in der DDR und fragt nach den Formen der gesellschaftlichen Transformation jener alternativen Projekte nach 1989. In den Vorträgen und Diskussionen sowie zwei ergänzenden Abendveranstaltungen wird ihr Beitrag zur friedlichen Revolution im Herbst 1989 verdeutlicht.
Mit dem auf der Tagung gesetzten Schwerpunkt auf die bildkünstlerisch intendierten Aktionsfelder werden u.a. die Eigenheiten der jeweiligen Stadtsubkulturen vorgestellt: Die Postleitzahlen verfallender und auf ‚Abriss gestellter’ Gründerzeitviertel in den sächsischen Bezirksstädten Leipzig, Dresden und Karl-Marx-Stadt avancierten in der Honecker-Ära der DDR zu topographischen Synonymen alternativer Lebensentwürfe. Die ‚Äußere Neustadt’ in Dresden (Postleitzahl 8060), Leipzig-Connewitz (Postleitzahl 7050) oder das verfallende Stadtquartier Sonnenberg hinter dem Karl-Marx-Städter Hauptbahnhof (Postleitzahl 9040) wurden – lange bevor der Ostberliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg (Postleitzahl 1058) zum Ende der 1970er Jahre zum Sammelbecken oppositioneller Milieus werden konnte – bereits mit Beginn der 1970er Jahre zu besetzten Sozialräumen städtischer Subkulturen.
Die sich hier in bislang kaum bekannten Kommunenprojekten, Künstler/innengruppen und Aktionsplattformen ansiedelnden Akteur/innen standen in besonderer Weise im Fokus der Bezirksverwaltungen des Ministeriums für Staatssicherheit, welche diese Inbesitznahmen städtischer Räume anfangs mit offener Repression, später mit dem perfiden Instrumentarium der ‚Zersetzung’ bekämpfte.