Ausstellung Motorenhalle

<Frank Eckhardt, Paul Kaiser während der Eröffnung, Foto: Andreas Seeliger</em>

Frank Eckhardt, Paul Kaiser bei der Eröffnung, Foto: Andreas Seeliger


Der Ausstellungsteil führt erstmals in Dresden wesentliche Arbeiten eines lose verbundenen Künstlerkreises zusammen, dessen Auswahl um wenige korrespondierende Positionen erweitert wurde. In der Exposition sind Arbeiten von Lutz Fleischer (*1956 Dresden), Helge Leiberg (*1954 Dresden), Ralf Kerbach (*1956 Dresden), Reinhard Sandner (*1951 Lauchhammer), Hans Scheib (*1949 Potsdam), Cornelia Schleime (*1953 in Berlin-Ost), Wolfram Adalbert Scheffler (*1956 Chemnitz) und Reinhard Stangl (*1950 Leipzig) vertreten.
Ausstellungsteil-Motorenhal

Diese Akteure hatten maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung einer künstlerischen Gegenkultur in der DDR. Sie gehörten zu den exponierten Vertretern einer sich von den Normzumutungen des SED-Staates abwendenden Generation, der es gelang, in Dresden eine Infrastruktur kulturellen Eigensinns zu etablieren.
Die Künstler fanden bereits in den 1970er Jahren in Dresden an der Hochschule für Bildende Künste mit dem Maler Reinhard Sandner zusammen; Lutz Fleischer besuchte den Kunstkurs an der Abendschule, nahm danach allerdings kein Kunststudium auf. Sandner und Fleischer blieben in der DDR. Kerbach, Schleime, Stangl und Scheib warteten dann auf die Ausreise in die BRD im Ost-Berliner Bohemeviertel Prenzlauer Berg, wo sich die künstlerischen Kontakte zu dem Chemnitzer Maler W.A. Scheffler intensivierten; sie trafen in den frühen 1980er Jahren im Westen wieder aufeinander.
In den vorrangig gegenständlichen Werken fixiert sich die Figuration einer geteilten Generationserfahrung: Diese ist einerseits vom Furor einer künstlerischen Radikalemanzipation ab Ende der 1970er Jahre getragen; andererseits spiegelt sich in den hier gezeigten Werken aus den 1980er und frühen 1990er Jahren die Wirkmacht einer biographischen Signatur – geprägt von der Entscheidung zwischen dem Gang ins deutsch-deutsche Exil oder einem Rückzug in private Sonderräume.

»Es ist auch kein Zufall, dass unsere Generation tief in den Schacht der deutschen Geschichte blicken musste, im Osten stolperte man seit der Kindheit durch den deutschen Friedhof und dies hat eine Generation geprägt, wenn auch nicht zu ihrem Vorteil. Es ist immer wieder das gleiche Lied, Freiheit bekommt man vom Ausstieg aus der Geschichte, Schönheit ebenfalls.« (Ralf Kerbach)

Ralf Kerbach, Malstrom versiegt, 1985,1986, Abb. 1
Die bildgewordene „Zeitheimat“ (W. G. Sebald) dieser Künstlergeneration zeigt sich in der Evidenz von ‚Kindheitsmustern’ sowie der künstlerischen Verarbeitung der mit Heimatverlust und dem Wagnis eines Neuanfangs im Westen verbundenen biographischen Leitzäsur.

Abb.:
– Ausstellung Motorenhalle mit Skulptur von Hans Scheib (Foto: Andreas Kämper)
– Ralf Kerbach “Malstrom versiegt” (1985/86)

Zum Rundgang (mit Bildern) der Co-Kuratorin und Kunsthistorikern Gwendolin Kremer